Viridescence



 

 Tomorrow.

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04.03.18 11:50

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A journey

of a thousand miles
begins with a single step



Zwei Wochen und ein Tag waren seit seinem ersten Schultag inzwischen vergangen. Zwei Wochen, seit dem langen Gespräch mit Taréy in einem riesigen Anwesen, das ihn ziemlich eingeschüchtert hatte. Heute würde er dem Jungen seine Entscheidung mitteilen müssen - und wollte es auch. Taréy wartete nun lange genug auf einen klaren Weg, den sie entweder gemeinsam gehen konnten, oder wie die letzten zwei Wochen: gelegentlicher Blickkontakt, vielleicht ein Lächeln, aber so wenige Worte wie möglich, so abgekapselt voneinander, wie es innerhalb eines Klassenverbundes möglich war. 
Die ersten Tage hatte er nur darüber nachgedacht, ob er sich wirklich auf jemanden einlassen wollte, der überzeugt war, nicht zu Beziehungen fähig zu sein - aus Gründen, die Rakocz tatsächlich nachvollziehen konnte, nachdem er dieses riesige Anwesen gesehen und Taréys Zweifel an echten Freundschaften und Gefühlen gehört hatte. Doch im Laufe dieser Zeit war er immer mehr zu der Überzeugung gelangt, dass es der allgemeine Stress des Neuanfangs und die überrumpelnden Ereignisse an seinem ersten Schultag gewesen waren, die in ihm den Wunsch nach Sicherheit geweckt hatten. Nach jemandem, dem er sich anvertrauen konnte - und Taréy wirkte nun mal so, als wäre er der perfekte Mensch, um dieses Bedürfnis zu stillen. Dass er das mit seinem Drang nach Freiheit und Sex nicht war, hatte Rakocz inzwischen akzeptiert. 
Dann hatte Rakocz alle Gedanken an eine Beziehung weit von sich geschoben. Mit einem sachten Lächeln schüttelte er über sich selbst den Kopf, dass eine simple Freundschaft lange nicht als Möglichkeit bestanden hatte. Das war es tatsächlich, was er gerne wollte - er wollte Taréy besser kennen lernen und ihn als einen Freund bezeichnen können. 


Gemeinsam mit den anderen Schülern strebte Rakocz den Ausgang des Schulhofs an. Um ihn herum wurde geplaudert, Pläne für den Nachmittag und das kommende Wochenende gemacht, während seine Gedanken sich um das bevorstehende Gespräch drehten. 
Als er Taréy schließlich am Schultor entdeckte, verlangsamten sich seine Schritte allerdings doch. Ein wenig der Unsicherheit kehrte zurück, als er sah, wie lässig der andere sich an den Pfosten gelehnt hatte, den Rucksack mit den Schulsachen abgestellt. Natürlich wusste Rakocz nach ihrem Gespräch, dass diese Ruhe durchaus Fassade sein konnte. Er schluckte, verscheuchte diese Gedanken. Er hatte seinen Entschluss gefasst. 
Bei Taréy angelangt, stellte er seinen Rucksack ebenfalls ab - sowohl, um seinen Rücken zu entlasten... aber auch, um noch ein wenig Zeit zu schinden. Obwohl er seinen Entschluss inzwischen gefasst hatte, wusste er nicht, wie er ihn vermitteln sollte. 
Nachdem er eine gefühlte Ewigkeit einfach nur dagestanden und Taréy gemustert hatte, streckte er endlich seine Hand aus. Seine Worte mochten ein wenig steif wirken, doch sie waren begleitet von einem sachten, ehrlichen Lächeln. "Hey. Ich bin Rakocz. Schön, deine Bekanntschaft zu machen."

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04.03.18 12:15

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“It's not hard to make decisions ...”

Es waren lange zwei Wochen gewesen, die er hatte in Ungewissheit verbringen müssen. Taréy mochte Ungewissheit nicht. Er wollte Kontrolle behalten, wollte selbst Entscheidungen treffen können und nicht abwarten müssen, dass andere das für ihn taten. Und doch stand er nun hier und wartete, dass eine zweite Person für ihn entschied.
Er musste zugeben: dieses Gefühl, das er hatte, als am Schultor stand und auf die endgültige Entscheidung wartete - er mochte es nicht. Er fühlte sich hilflos, einer höheren Gewalt ausgesetzt.
Als Taréy Rakocz jedoch dann sah, verflüchtigten sich seine Gedanken recht schnell. Es stimmte, dass er sich von Rakocz angezogen fühlte, aber er hatte noch keine wirklichen Gefühle für ihn - falls er dazu überhaupt in der Lage war? Sollte der andere ihm nun also mitteilen, dass er ihn nie wieder sehen wollte, dann war das eben so. Aber es war keine drastische Änderung in seinem Leben.

Rakocz schien sich allerdings für den anderen Weg entschieden zu haben. Unschuldig und engelgleich stand er vor ihm und streckte ihm seine Hand entgegen. Mit einem Lächeln nahm Taréy sie und erwiderte: "Freut mich dich kennen zu lernen, Rakocz. Ich heiße Taréy."

Anscheinend hatte der Kleinere ihm seine Forschheit und seinen Egoismus verziehen - was Taréy beinahe wie ein Wunder vorkam. "Danke", sagte Taréy noch ehrlich und man konnte deutlich die Erleichterung über die Entwicklung der Situation sehen.

“... when you know what your values are.”

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04.03.18 13:29

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Eine leise Unsicherheit schwelte nach wie vor in Rakocz - bis Taréy seine Hand ergriff und sie einen Händedruck teilten, der ihren Neustart besiegelte. Ein Lächeln machte sich auf seinen Zügen breit. Dieser Neustart bedeutete die Chance auf einen Freund - auf den ersten Freund an dieser neuen Schule. Wenn er so darüber nachdachte, wäre Taréy somit sogar der erste Mensch seit seiner Kindheit, den er näher an sich heran ließ. Er konnte nur hoffen, dass Erleichterung und Dankbarkeit in Taréy dafür sorgten, dass er achtsam mit diesem Geschenk umging.
"So." Ein einzelnes Wort, das in der Luft schwebte und mit dem Rakocz die Luft ausstieß. Gleichzeitig schien auch ein großer Teil seiner Anspannung abzufallen. Trotzdem wusste er nicht so recht, wie er mit dieser Situation nun umgehen sollte. Aus der Not heraus schulterte er seinen Rucksack mit einem leisen Ächzen, ehe er all seinen Mut zusammennahm und sich wieder an den Älteren wandte - er wollte ihm nicht das Gefühl vermitteln, dass ihr Gespräch schon mit der Begrüßung beendet sein sollte. "Was.. macht man eigentlich, um sich kennen zu lernen?" Er hatte so wenig Erfahrung darin, Menschen in sein Leben zu lassen, dass er das wirklich nicht wusste. Außerdem kannte er sich hier in der Umgebung immer noch nicht wirklich aus, sodass der Park und die Eisdiele die einzigen Orte waren, mit denen er etwas verband - wenn es auch nicht besonders positiv war.
Ob es zum Kennen lernen dazu gehörte, dass nicht nur er Taréys Zuhause kannte sondern auch der Ältere das seine?

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04.03.18 14:00

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“What to do with a new chance ...”

Nun standen sie also da, beim Schultor, während alle anderen Schüler an ihnen vorbei gingen um in das Wochenende zu starten. Rakocz Frage erheiterte ihn etwas. Er dachte nach. Was machte er selbst immer, wenn er neue Leute kennen lernte (seine 'neuen Leute' waren allerdings meist One-Night-Standt): Sie gingen ins Kino - endete bei ihm allerdings meistens als Vorspiel von späterem Sex. Oder er traf sich mit jemandem bei ihm zuhause - was auch meistens mit Sex endete. Taréy lernte einfach nicht wirklich neue Leute kennen. Meistens ging es mit neuen Leuten ziemlich schnell zur Sache, da wurde nicht lange kennengelernt.
Taréy beschloss, einfach etwas vorzuschlagen, das er auch mit seinen Freuden machen konnte: Gemütlich in ein Café gehen und dort Eis essen oder dergleichen, zu dem nahe gelegenen See fahren und dort schwimmen gehen oder einfach in einen Park setzen und Modellflugzeuge fliegen lassen. Allerdings kamen ihm diese Sachen alle nicht wirklich wie Dinge vor, die man tat um sich kennenzulernen... Eis essen waren sie beide erst gestern und zum See fahren, wo man quasi halb nackt voreinander stand, wollte Taréy jetzt auch nicht unbedingt vorschlagen - das wäre Rakocz sicherlich unangenehm.

Ich könnte dir ein bisschen die Umgebung zeigen, wenn du willst. Oder wir gehen einfach in den Park. Dort kann man super Eichhörnchen füttern."

Schlussendlich waren ihm dann doch noch Dinge eingefallen, die relativ harmlos sein sollten.

"Ich würde allerdings vorschlagen, dass wir davor etwas essen. Cloude hat sicher nichts dagegen, einen Gast zu bedienen - falls du überhaupt mitkommen möchtest."

“... when you know you fucked up the last one?”

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04.03.18 18:16

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Let's get nuts now.


Die nachdenkliche Miene Taréys verunsicherte Rakocz für einen Moment. Dieser Ausdruck konnte so vieles bedeuten - entweder, Taréy nahm die zweite Chance doch nicht so ernst und dachte nun darüber nach, wie er das Kennen lernen abwenden konnte; oder aber er wusste keine harmlosen Alternativen. So oder so - die Aufgabe Taréy aufzubürden erschien Rakocz auch nicht ganz fair.
Allerdings war es am Ende trotzdem der Ältere, der die ersten beiden Ideen hervorbrachte. Rakocz brauchte nicht einmal lange darüber nachzudenken, was er gern tun wollte: "Eichhörnchen füttern klingt super!"
Erst etwas essen? Klang sinnvoll. Einzig der Name 'Cloude' irritierte Rakocz auf eine Art und Weise, die ihn einen kurzen Moment irritierte, ehe er mit den Schultern zuckte. Er kam ihm vage bekannt vor, als hätte er ihn bereits einmal gehört, konnte ihn allerdings nicht mehr einordnen. Erst mit einiger Verzögerung wollten die Worte "Klar,
warum nicht?"
über seine Lippen kommen, ein vorsichtiges Lächeln auf den Lippen. Es war sicher in Ordnung, wenn er bei Taréy aß.
"Hast du denn Nüsse zuhause?", fragte er nach einer kurzen Pause, "für die Eichhörnchen. Damit sie artgerechtes Futter bekommen." Ein wenig beschämt über die sicher unnötige Erklärung senkte er für einen Moment den Blick. Dann aber straffte er die Schultern. Er hatte sich vorgenommen, sich nicht mehr so kleinlaut zu geben, also sollte er damit auf der Stelle aufhören!

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04.03.18 18:53

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“The dice was loaded from the start  ...”

Da Taréy merkte, dass Rakocz vom Namen Coude etwas verwirrt war ergänzte er schnell: "Cloude ist übrigens mein Butler. Du hast ihn vor zwei Wochen gesehen, als er uns zu mir nach Hause gefahren hat. Und ja, natürlich besitze ich einen Butler. Ich habe ein Anwesen, was erwartest du." Die letzten Worte sagte er lachend. Für ihn war es ganz normal, aber er wusste, dass andere das oft nicht so sahen.

"Außerdem ... Wie sollte ich alleine in einem solchen Haus zurecht kommen. Ich hab ja sonst niemanden. Coude ist sowas wie ein zweiter Vater."

Zwar weigerte sich Cloude strikt seine guten Manieren und sein Benehmen als Butler ein wenig abzulegen und mehr ein natürlicher Bewohner in diesem riesigen Anwesen zu sein als ein Butler, doch Taréy klammerte sich an diese Vorstellung des Ersatzvaters, damit er zumindest eine einzige Bezugsperson hatte. Die Bediensteten seines Hauses waren alle sehr nett und er kam mit allen gut aus und sie mochten ihn, doch zu Cloude hatte er die beste Beziehung.

"Dann lass uns zu meinem Auto gehen und zu Hause etwas essen. Danach könne wir Nüsse nehmen und in den Park fahren. Und ja, ich esse Nüsse für mein Leben gerne. Natürlich hab ich welche zu Hause. Du wirst erstaunt sein, welch große Auswahl dich erwartet."

Ganz unschuldig nahm Taréy Rakocz Hand und führte ihn in die Richtung, in der Cloude wie jeden Tag neben Taréys Auto wartete. Für Taréy war es ganz normal andere Leute für eine kurze Zeit an der Hand zu nehmen - machten Mädchen doch auch, also warum sollte ihm das nicht erlaubt sein. Als Rakocz dann allerdings klar sein musste, in welche Richtung es ging, ließ Taréy dessen Hand jedoch wieder los. Immerhin wollte er den Kleinen nicht schon wieder verärgern.

“... and I bet and you exploded in my heart.”

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04.03.18 19:45

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What we know
is a drop

What we don't know
is an ocean

(Isaac Newton)


Cloude - der Butler. Natürlich, dass er nicht gleich darauf gekommen war!
Dieser Gedanke klang ziemlich sarkastisch. Als Taréy lachte und die Notwendigkeit des Mannes erklärte, hatte Rakocz plötzlich ein schlechtes Gewissen - fast schlimmer, als hätte er die Worte ausgesprochen. Insbesondere, als er erfuhr, dass der Butler wichtiger war, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. "Bitte entschuldige", murmelte er, nickte dann.
Schon wieder fand er sich Hand in Hand mit Taréy. Verunsichert stolperte er hinter ihm her. War es vielleicht doch keine kluge Entscheidung gewesen, einen Neustart zu wagen? Immerhin war das etwas, das ihre erste Begegnung nach der Schule zu einem Date gemacht hatte. Weil er sich nicht dagegen gewehrt hatte. Sollte er sich also dieses Mal dagegen sträuben, Taréys Hand zu halten?
Noch bevor Rakocz einen Entschluss gefasst hatte, ließ der Ältere ihn wieder los und er atmete erleichtert aus. "Das.. ist gut", griff er das 'alte' Thema wieder auf, während er ins Auto stieg. Ein freundliches Lächeln traf den Butler, als er ihm mit einem unsicheren "Hallo" grüßte und sich dann wieder Taréy zuwandte. "Nüsse sind fein. Und Kerne. Kürbiskerne zum Beispiel. Oh, und wusstest du, dass Erdnüsse eigentlich keine Nüsse sind sondern Hülsenfrüchte?"
Rakocz fühlte sich, als würde er seine Nervosität dieses Mal mit sinnlosen Informationen überspielen - wohlwissend, dass Taréy dieses Verhalten sicherlich durchschauen würde. Aber es war immer noch besser, als in beschämendes Schweigen zu wechseln, oder?

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04.03.18 20:07

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“Doomed to do nothing other than stare  ...”

Beide stiegen sie in Taréys Auto. Freundlich grüßte der Butler beide und stieg dann ebenfalls ein. Die tägliche Frage wie denn der Schultag gelaufen sei beantwortete Taréy wie meistens mit einem 'in Ordnung' und wandte sich dann wieder Rakocz zu. Taréy hatte das Gefühl, dass der andere nervös war, obwohl er das doch nicht sein musste. Rakocz schien seine Nervosität mit Reden überbrücke zu wollen. Diese Aktion brachte Taréy zum Lächeln. Der andere war schon ziemlich süß. Er ließ ihn einfach reden, vielleicht würde er sich dann besser fühlen und etwas entspannen. Die Autofahrt dauerte allerdings sowieso nicht lange.

"Magst du Kalbsfilet? Das wird nämlich heute das Mittagessen sein. Wenn nicht, dann gibt es sicherlich noch etliche Beilagen, die du essen kannst. "

Eindringlich aber dennoch gelassen beobachtete Taréy den Kleineren, der ihm gegenüber im Auto saß. Er beobachtete die blauen Strähnen, die ihm ins Gesicht hingen, die hellblauen Augen, die ihn so unschuldig ansahen, die Hände, die kaum merklich zitterten - vor Nervosität, Ungewissheit oder innerer Erregung? Es würde schwierig für Taréy werden, sich zu beherrschen. Er fühlte schon jetzt das Verlangen in ihm aufkommen, diesen unschuldigen kleinen Körper in seine Arme zu schließen und ihn langsam und gefühlvoll zu streicheln. Würde er jemals die Gelegenheit dazu bekommen? Wenn Rakocz schon so nervös und aufgeregt wurde, wenn er nur seine Hand für ein paar Sekunden nahm, wie musste es dann sein, wenn er den anderen fest in seine Arme schloss?
Aber diese Gedanken mussten wohl einfach nur Gedanken bleiben.

“... for this was the promise he made.”

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04.03.18 20:38

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There are no facts

only interpretation


Da Taréy keine Fragen stellte und auch sonst nicht wirklich auf die Neuigkeit der Erdnüsse reagierte - wobei es ja vielleicht gar keine Neuigkeit für ihn war - schwieg Rakocz letztlich und spähte am Sitz vorbei auf die Straße. Um diese Uhrzeit war es rund um die Schule immer recht voll - zu viele Eltern, die ihre Kinder von der Schule abholten. Wie Cloude Taréy. Rakocz' Mutter hatte immer die Meinung vertreten, dass es gut war, nach dem langen Sitzen ein kleines Stück zu laufen, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen und sich am Nachmittag auf Hausaufgaben konzentrieren zu können. Dass er heute in einem Auto saß statt nach Hause zu gehen - oder eben zu Taréys zuhause - war für Rakocz also durchaus eine Besonderheit.
Nachdenklich nickte er auf Taréys Frage. "Ja. Ja, ich denke schon." Ein Blick traf Taréy. Ein vorsichtiges Lächeln, als er merkte, dass der Ältere ihn genau betrachtete. Nach ihrem Start fiel es Rakocz schwer, es als unschuldiges Beobachten zu interpretieren - andererseits wollte er auch nicht dauernd darüber nachdenken, was vor zwei Wochen vorgefallen war und wie sehr es sein eigenes Weltbild - und vor allem sein Selbstbild - ins Wanken gebracht hatte.
Er lenkte den Blick wieder zum Fenster. Besonders weit mussten sie nicht fahren, das wusste er - allerdings hatte er noch nie so deutlich wahrgenommen, wie sehr sich die Häuser von recht einfachen Bauwerken zu wunderschönen und sicherlich sehr teuren Gebäuden veränderten. Darauf hatte er das letzte Mal gar nicht geachtet! Kein Wunder, da war er ja auch mit ganz anderen Dingen beschäftigt gewesen. Das hieß wohl auch, dass Taréy nicht einmal am Rand dieser reichen Menschen wohnte - sondern mitten drin! War es da nicht irgendwie ein Wunder, dass er auf diese ganz normale Schule ging? Mhm.!
Und bedeutete das nicht auch, dass er einer dieser eingebildeten jungen Erwachsenen sein musste - wenngleich dieser Eindruck bisher zumindest nicht so vollkommen auf ihn zutraf. Dennoch machte Rakocz sich ein wenig Gedanken, wie der Ältere reagieren würde, wenn er in die kleine Wohnung kam, in der er mit seiner Mum hauste.

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04.03.18 21:05

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“Failing to balance curiosity and expected behavior, ...”

Rakocz musste die ganze Gegend ziemlich bedrückend und schnöselig vorkommen. Taréy wusste, dass die Leute in ihrer Schule die meisten Reichen ziemlich versnobt und unfreundlich fanden. Taréy konnte es ihnen nicht mal verübeln, viele waren nämlich wirklich so. Er hatte allerdings nicht gewollt, dass er selbst so wurde. Deswegen ging er auch auf eine ganz normale Schule - und dies kam anscheinend ganz gut bei den anderen Schülern an. Sie lernten ihn als normalen Menschen kennen und nicht als Lord, der er laut Dokumenten war. Aber richtige Freunde hatte er trotzdem nur seine Kindheitsfreunde.

Als Cloude schließlich vor dem Eingangsportal der Villa hielt und ihnen die Türe öffnete, stieg Taréy aus und streckte sich genüsslich - wohl bewusst, dass er dadurch seinen Bauch vor Rakocz entblößte und dieser einen Blick auf seine Muskeln erhielt (vorausgesetzt er sah gerade her). Es war eine ganz unschuldige Geste, immerhin durfte er sich doch strecken wann und wo er wollte. Allerdings wollte er Rakocz immer noch reizen. Er wollte, dass der andere über sich selbst nachdachte und sich vielleicht irgendwann eingestand, dass er doch nicht so heterosexuell war wie er glaubte.

"Kommst du?", fragte er an Rakocz gewandte und ging auf die Eingangstüre zu, die schon von einer Bediensteten geöffnet wurde. "Es würde Ewigkeiten dauern dir zu erklären wohin all die Gänge und Abzweigungen führen, also geh mir einfach nach. Es dauert noch etwas bis das Essen fertig ist - ich mag es nicht sofort nachdem ich von der Schule gekommen bin zu essen, deswegen kochen die Köche immer so, dass ich noch eine halbe Stunde Zeit vor dem Essen habe. Lass uns bis dahin auf mein Zimmer gehen. Ich kann Cloude dann fragen, ob er organisiert, dass für uns Nüsse bereitgestellt werden, die wir dann mitnehmen können. Oder ich frage, ob er dich in die Küche bringt, damit du selbst auswählen kannst, was du mitnehmen willst - wie du willst. Fühl dich frei zu tun was dein Herz begehrt."

Die letzten Worte sprach er mit einem breiten Lächeln, während er den Körper des anderen erneut musterte.

“... trying to combine craving with restraint.”

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05.03.18 20:43

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Für Rakocz war es äußerst ungewohnt, dass ihm so leichte Tätigkeiten wie das Öffnen der Autotür, damit er aussteigen konnte, abgenommen wurden. Natürlich, vor vierzehn Tagen war es nicht anders gewesen - allerdings war er damals mit so vielen anderen Dingen beschäftigt, dass es ihm nicht wirklich aufgefallen war.
So, wie Taréy aus dem Wagen geklettert war, folgte Rakocz ihm ins Freie - wobei sein Blick länger auf dem Körper des Älteren verharrte, als nötig gewesen wäre. Die glatte Haut. Die Muskeln. Für einen winzigen Augenblick keimte in Rakocz der Wunsch, diesen Körper berühren zu dürfen.
Irritiert blinzelte er, als Taréy sich mit Worten an ihn richtete, die im ersten Moment überhaupt keinen Sinn ergaben. Erst allmählich wurde Rakocz klar, was da eben geschehen war - und innerlich schüttelte er über sich selbst den Kopf. Es schien, als sei er noch immer nicht über das Gefühlschaos hinweg, das der Ältere in ihm ausgelöst hatte. Unglaublich.
"Ja, ja, das passt schon", gab er ein wenig abwesend zu verstehen, während er auf die sich öffnende Eingangstür starrte und den Blick Taréys dabei ignorierte. Wie von allein gab die Tür den Weg ins Innere dieses Gebäudes frei. Rakocz erinnerte sich dunkel daran, dass er 'Wie soll man sich denn hier bitte nicht verlaufen?' gedacht hatte - eine Frage, die sich ihm jetzt erneut stellte, während er Taréy mit einer gewissen Befangenheit durch die Gänge folgte. Er fühlte sich in seiner einfachen Kleidung und dem alten Schulrucksack ziemlich fehl am Platz - sicher nicht zuletzt deshalb, weil seine Schritte ungewöhnlich laut wiederzuhallen schienen. Da war ihm sein einfaches Zuhause deutlich sympathischer!
"Und du.. du lebst hier ganz alleine?", fragte er schließlich in die Stille hinein, also... abgesehen von Cloude?" War das nicht ein sehr, sehr einsames Leben?

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06.03.18 9:55

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“Living in one's own shadow, not knowing what was before ...”

Es war nicht wirklich eine eindeutige Antwort auf die Frage, die Taréy dem anderen gerade gestellt hatte. Er nahm das 'ja, pass schon' einfach mal als generelle Zustimmung und trug dem Butler auf, Nüsse für ihren geplanten Ausflug bereitzustellen.
Taréy merkte, dass sich Rakocz etwas unwohl in dem großen Gebäude fühlte, in diesem riesigen Haus mit den ewig langen Gängen und den unzähligen Abzweigungen.

"Abgesehen von den Bediensteten, die ebenfalls hier wohnen, bin ich ganz allein hier, ja", meinte er auf Rakocz Frage hin nüchtern. Er sprach dieses Thema nicht so gerne an, da es ihm selbst immer noch komisch vorkam, dass sonst niemand hier war. So war es seit etwas mehr als einem Jahr - sagte zumindest Cloude immer wieder. Er selbst konnte sich immer noch nicht daran erinnern, was damals geschehen war.

"Ich bin allein hier. Zusammen mit meinem Hund und ein paar Katzen."

Taréy sprach schnell weiter, ehe er noch länger darüber nachdachte, dass seine ganze Situation im Moment ziemlich bizarr war. Die Eltern einfach verschwunden, die eigene Erinnerung ebenfalls und keine der Bediensteten und auch Cloude hatten keine Ahnung, was passiert war. Sie alle hatten sich einfach damit abgefunden, dass es jetzt nur noch der junge Lord und seine Freunde oder andere Bekanntschaften waren, die in dem Haus lebten oder zu Besuch kamen.
Die beiden waren nun im ersten Obergeschoß vor einer großen Mahagoniholz-Türe angelangt und Taréy öffnete sie mit einem Lächeln.

"Tritt ein in mein Reich", meinte er zu Rakocz mit einem verschmitzten Lächeln, ehe er selbst durch die Tür ging und sich mitten im Raum positionierte. Taréys Zimmer war groß, aber nicht unbelebt oder unangenehm groß, sondern freundlich und mit großen Fenstern, die das Zimmer hell und lebendig machten. Direkt gegenüber der Tür stand sein großes Doppelbett, das allerdings nicht mit geschwungenen Holzverzierungen bedeckt war, sonder das einfach nur aus schlichtem und glattem dunkelbraunen Holz bestand und ein dunkelgraues, gepolstertes Kopfteil besaß. Daneben zwei Nachttische. Natürlich war das Zimmer hoch, doch nicht ganz so hoch wie andere alte Räumlichkeiten. An der Decke befand sich kein Stuck, wie in so manch anderen alten Villen.

“... seeking the past but with no remarkable success.”

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08.03.18 18:31

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I refuse to allow
prejudice
to defeat me



Wenn Rakocz so darüber nachdachte, erschien ihm Taréys Geschichte wie ein schlechter Film. Hätte er diesen Lebensweg im Internet gelesen - dann hätte er das sicher alles als Witz, als verzweifelte Anmache und Suche nach einem unvorsichtigen Mitgefühl abgetan und sich nie-, niemals in die Nähe dieses Menschen gewagt aus Sorge, dass er ihm etwas Böses wollte. Bei Taréy war das anders. Selbst, dass er allein in diesem riesigen Anwesen lebte, abgesehen von den Bediensteten und ein paar Tieren, ließen ihn für Rakocz nicht unheimlich werden. Vielleicht, weil er ihn kannte. Allerdings kannte er ihn auch nicht so gut, dass er diese Dinge bereits einschätzen konnte, und gerade bei ihrem Start sollte er klüger sein und gut auf sich aufpassen. Vielleicht sogar nachfragen, weiter bohren, um zu sehen, ob da nicht doch noch etwas war, was ihm komisch vorkam, weil Taréy sich selbst widersprach. Aber er fragte nicht sondern akzeptierte, dass der Ältere nicht gern darüber redete - vielleicht, weil er ihm gern vertrauen wollte. Möglicherweise aber auch, weil er sich der Vorurteile durchaus bewusst war und wusste, dass sie in den seltensten Fällen wahr waren. Und er wollte nun mal davon ausgehen, dass sie bei Taréy unbegründet waren!
Die große, rot-braune Tür, die schließlich vor ihnen auftauchte, hatte einen gewissen Erinnerungswert. Sie holte Rakocz aus seinen Grübeleien, und als Taréy ihn mit diesem verschmitzten Lächeln bedachte, erwiderte Rakocz es unsicher und folgte dem Älteren durch die Tür. Aufmerksam ließ er den Blick schweifen. Letztes Mal war er zwar in diesem Zimmer gewesen, aber er hatte fast gar nichts in Erinnerung behalten. Einzig, dass das Zimmer riesig war im Verhältnis zu dem, was er kannte, wusste er noch - allerdings verschlug es ihm jetzt doch die Sprache. Die feine Eleganz, ohne unnötig viel Schmuck und Prunk, zeugte von außerordentlichem Einrichtungs- und Gestaltungstalent, von Reichtum, der zwar zur Schau gestellt wurde, aber... eben nicht so überladen, wie es der Jugendliche aus klischeebehafteten Filmen kannte.
"Wow", murmelte er letztlich anerkennend, "und hier.. wohnst du? So wirklich?"

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08.03.18 19:28

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“Long live stupidity ...”

Taréy bekam von Rakocz Zweifel nichts mit. Er stand immer noch vor seinem Bett und beobachtete die Reaktion des anderen. Letztes Mal wirkte er zu verwirrt und mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, um wirklich etwas von Taréys Reich mitzubekommen, doch nun war er aufmerksam und betrachtete das gesamte Zimmer mit Staunen.

"Ja, hier lebe ich. Ganz ehrlich. Ich habe nicht gelogen... Das tue ich normalerweise nur in Notfällen."

Taréy beschloss, dass Rakocz nun erst einmal alles bestaunen durfte. Er selbst ging zu der Tür auf der rechten Seite des Raumes und offenbarte ein Ankleidezimmer mit einer unzählbaren Anzahl an Hemden, Jacken, Jackets, Anzügen, Hosen und auch normalen T-Shirts. Er nahm sich einen bequemen, aber doch elegant geschnittenen Pullover, ging dann zu seinem Bett zurück und legte den Pullover dort ab. Er wollte heute nicht mit einem Hemd in den Park gehen. Cloude würde ihn nur wieder tadeln, wenn ein so schönes Hemd mit Dreck besudelt werden würde. Ohne sich etwas zu denken öffnete er die Knöpfe seines Hemdes und zog es schlussendlich ganz aus.

“... long live late recognition.”

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11.03.18 18:50

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Tease me
until
I'm begging for it



Ganz langsam drehte Rakocz sich ein Mal im Kreis, begutachtete jeden Zentimeter des Zimmers. Wenn er ehrlich war, war es ihm beinahe unheimlich, dass Taréy allein in diesem riesigen Anwesen wohnte - wobei 'allein' ja nun auch nicht ganz der Wahrheit entsprach.
Noch mehr staunte er aber, als Taréy eine Tür öffnete und ein weiteres Zimmer zum Vorschein kam - eines voller Hosen, Hemden, Jacken, Jackets. Mit diesem Vorrat hätte er sicher fast die ganze Schule ausstatten können! Gut, vielleicht übertrieb Rakocz da ein wenig, das sah er ein - aber trotzdem!
Eilig lenkte Rakocz den Blick allerdings wieder auf die Zimmereinrichtung, als Taréy mit einem Pullover zurückkehrte. Leises Rascheln erregte seine Aufmerksamkeit. Ohne bewusstes Zutun drehte sich sein Kopf ganz langsam zu Taréy. Staunend beobachtete Rakocz, wie das Hemd von Taréys Schultern glitt und die helle, makellose Haut entblößten. Feine Muskeln spielten darunter bei jeder Bewegung, die der Ältere machte. Stumm öffnete Rakocz den Mund, nur, um ihn gleich wieder zu schließen. Er wusste ohnehin nicht, was er sagen sollte. Klug wäre es vermutlich, überhaupt nichts zu sagen.
Wie in Zeitlupe wandte er den Kopf wieder ab, Millimeter für Millimeter. Er schluckte. Unwirklich laut klang es in seinen eigenen Ohren wider - und sicher hallte es durch das gesamte Zimmer. Nervös griff er mit den Händen den Stoff des jeweils gegenüberliegenden Pullover-Ärmels. Was hatte er sich nur dabei gedacht, mit hier her zu kommen und Taréy seine Freundschaft anzubieten?!

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11.03.18 19:24

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“Let's go in the garden; you'll find something waiting ...”

Taréy merkte, dass er beobachtet wurde. Und es gefiel ihm. Er drehte sich jedoch nicht um, blieb extra mit dem Rücken zu Rakocz stehen - immhin wollte er den anderen nur testen, ihn spielerisch necken, und ihm nicht gleich wieder einen absoluten Schrecken einjagen und ihn misstrauisch machen. Aus diesem Grund nahm er sich dann seinen Pullover und zog ihn mit einer fließenden Bewegung an. Taréy drehte sich wieder zu Rakocz um - absichtlich mit einem freundlichen und wohlwollenden Lächeln und meinte dann zu ihm.

"Was willst du jetzt machen, bis das Essen fertig ist? Soll ich dich im Haus rumführen? Wir können auch Musik hören, wenn du das lieber magst. Fühl dich frei. Du kannst vorschlagen zu was auch immer du Lust hast. Ich glaube, es gibt nichts, das wir nicht haben."

Das war vielleicht etwas übertrieben, denn es gab ja Millionen Dinge auf der Erde, aber sein Haus konnte mit fast allen gängigen Dingen aufwarten.

"Wir haben sogar Instrumente. Einen Flügel, Violine, natürlich Gitarren und sicher noch mehr."

Es war Taréy im Grunde egal, was sie beide jetzt machen würden. Er wollte Rakocz nur besser kennen lernen und in seiner Nähe sein - vielleicht ergab sich ja sogar irgendwann mehr.

“... right there where you left it; lying upside down.”

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11.03.18 20:39

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music
brings
relief



Erneut vernahm Rakocz das Rascheln von Stoff, und er kombinierte, dass Taréy jetzt sicher wieder vollständig bekleidet sein musste. Seine Worte klangen freundlich und wohlwollend, sodass Rakocz innerlich aufatmete. Der Ältere hatte von seinem kurzen Blackout also nichts bemerkt - sehr gut. Ein wenig entspannter als noch gerade eben wandte er sich ihm wieder zu.
"Ich wäre mit Musik im Moment ganz zufrieden", gab er nach kurzem Überlegen zu, "bei diesen vielen Gängen und Wegen und Eingängen ist es klüger, wenn ich erst einmal nur den Weg rein und wieder raus kenne, sonst verlaufe ich mich, weil mir alles bekannt vorkommt." Im Grunde genommen brauchte er sich keine Sorgen machen, sich zu verlaufen - der Ältere würde ihn sicher nicht allein durch dieses verzweigte System schweifen lassen - aber er hatte trotzdem nicht das Bedürfnis, noch mehr Eindrücke zu sammeln. Das konnte er gern ein Andermal tun, sofern er Taréy wieder einmal besuchen durfte.
Schließlich aber wurden seine Augen groß. "So viele Instrumente?", hakte er staunend nach, "vielleicht.. vielleicht.. kannst du ja etwas vorspielen?" Ein begeistertes Leuchten war in Rakocz' Augen getreten - fast wie das, das man bei kleinen Kindern sah, die das erste Mal Schnee erleben durften. "Das wäre toll!"

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15.03.18 8:50

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“Music expresses that which cannot be said ...”

Nach kurzem Überlegen war Rakocz anscheinend zu dem Entschluss gekommen, dass er nicht von dem großen Haus mit seinen vielen Zimmern und Gängen verwirrt werden wollte und lieber Musik hören wollte. Dass der andere von den Instrumenten allerdings derart begeistert sein würde, das hätte er sich nicht gedacht.

"Die Instrumente befinden sich aber nicht in meinem Zimmer, nur um das gleich mal gesagt zu haben. Da musst du wohl oder übel mit mir kommen und durch die vielen, langen Gänge gehen", meinte Taréy schmunzelnd zu Rakocz. Er hatte zwar nicht erwartet, dass er jetzt ein kleines Privatkonzert geben sollte, aber warum nicht. Immerhin hatte er nicht viel Gelegenheit sein Können anderen vorzutragen.

"Dann komm mit. Du darfst dir sogar aussuchen, auf welchem der drei Instrument ich dir etwas vorspielen soll."

Taréy ging schon mal vor zur Türe und hielt sie erwartungsvoll auf. Das würde wunderbar werden. Cloude erinnerte ihn sowieso jede Woche mindestens einmal daran, dass er sein Können nicht verschwenden sollte, sonder öfter zu einem der Instrumente greifen sollte.

“... and on which it is impossible to be silent.”

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02.04.18 8:23

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When playing
a piano
music comes alive and emotions rise


Ehrlich gesagt hatte Rakocz nicht damit gerechnet, dass Taréy so schnell einwilligen würde, ihm tatsächlich etwas von seinem Können zu zeigen. In der Schule wusste er durchaus von einigen Mitschülern, die ein oder gar zwei Instrumente spielten, doch wann immer es auf die Feiertage zuging und ein kleines Programm aufgestellt werden sollte, sträubten sie sich dagegen. Dabei wusste er zumindest bei denen, die nicht singen konnten und sich ihre Noten im Musikunterricht deshalb über die Instrumente verdienen durften, dass sie wirklich gut waren.
In froher Erwartungshaltung folgte er Taréy. So perfekt, wie dieser junge Mann war, wusste er sicherlich alle drei Instrumente auf eine äußerst wundervolle Art und Weise zu bedienen. Dieser Gedanke stellte Rakocz allerdings vor eine ernste Herausforderung: die Entscheidung, welches der Instrumente er gerne hören wollte. Flügel, Violine, Gitarre. Gitarre hörte man zuhauf, und obwohl sie ihn reizte, verwarf er diese Möglichkeit schnell. Das konnte Taréy ihm sicher auch noch ein andermal zeigen.
"Mhm", machte er schließlich ratlos, Violine oder Flügel? Geige, wie er es plump bezeichnet hätte, kannte er nicht soo besonders gut. Allerdings meinte er, sich zu erinnern, dass er den Klang dieses Instruments das ein oder andere Mal als sehr anstrengend empfunden hatte.
So, wie Taréy letztlich eine Tür öffnete und Rakocz in den Raum mit den Instrumenten schritt, blieb ihm beim Anblick des riesigen Flügels der Mund offen stehen. Bei einem solch großen Instrument hatte er immer das Gefühl, dass es klobig hätte wirken müssen - aber es sah so fein und filigran aus, dass Rakocz voller Ehrfurcht zu ihm hin schritt. Ein Blick traf Taréy, als Rakocz das kühle Material sacht berührte. "Bitte das hier", gab er endlich seine Entscheidung kund.

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04.04.18 15:06

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“Music is a moral law. It gives soul to the universe ...”

Es war amüsant mitanzusehen, wie Rakocz scheinbar innerlich mit sich rang, welches der drei Instrumente er jetzt auswählen sollte. Als er sich dann jedoch für das Klavier entschied, war Taréy nicht überrascht. Viele würden dieses Instrument wählen - sei es, weil sie selbst schon Gitarre spielten und deswegen nicht auf diesem Instrument vorgespielt bekommen wollten oder sei es, weil ihnen der Klang von Violine alleine nicht gefiel.
Der Ältere setzte sich also auf den Klavierhocker und klappte den Deckel hoch, der die Tasten schützte. Kurz überlegte er, was er denn überhaupt spielen sollte, dann jedoch blickte er auf die Noten, die sowieso gerade vor ihm lagen. Er befand dieses Stück für gut und begann zu spielen. Es war ein trauriges Stück, mit einer Note des Flehens etwas zu ändern, wovon man nicht wusste, was es war.
Taréy hoffte, dass Rakocz dieses Stück nicht zu düster war und ihm dies dadurch nicht die gute Laune verderben würde. Taréy selbst passierte dies oft. Am Anfang des Spielens war er oft gut gelaunt, beflügelt von positiven Gedanken, doch manchmal, nachdem er bestimmte Stücke gespielt hatte, ließen ihn diese nachdenklich und bedrückt zurück.
Immer wieder ertappte er sich selbst dabei, wie er während des Spielend zu Rakocz hinüberschaute - ihm ansehen wollte, ob ihm sein Spiel gefiel. Nachdem das Stück zu Ende war - es war kein wirklich langes gewesen - sah Taréy den anderen erwartungsvoll an. Würde er begeistert sein und noch ein Stück verlangen?

Ludovico Einaudi - Elegy for the Arctic

“...  wings to the mind and charm to life and to everything.”

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24.05.18 20:16

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Music
is the strongest form of
magic


Nie hatte er so viel Erkenntnis und Trauer empfunden wie während dieses Stücks. Die einzelnen Töne, wie sie sich aneinander reihten, die Finger, die so mühelos über die weißen und schwarzen Tasten glitten und so viel von dem preiszugeben schienen, was den Älteren ausmachte. Es schien die ganze Geschichte des Jungen zu spiegeln - so schwer, so voller Sehnsucht nach etwas, das nicht greifbar war. Ein wenig Leichtigkeit, dann neue Schwere.
Rakocz glaubte, zu verstehen, weshalb Taréy gehandelt hatte, wie er es nun einmal tat. Ja, kurz meinte er sogar, voraussagen zu können, wie der Ältere in Zukunft handeln würde - allerdings, ohne es genau benennen zu können. Eine seltsame Mischung, die Rakocz stumm zurückließ, als die letzten Töne verklangen.
Einige Sekunden starrte er einfach auf das Instrument, das so viel Magie erzeugt hatte. Nur ganz langsam löste er sich aus der Starre, in die er verfallen war, ging Schritt für Schritt zu Taréy, um sich letztlich neben ihn zu setzen. Voller Ehrfurcht strichen seine Finger über die Tasten, ehe er die Hände wieder in den Schoß nahm.
Nachdenklich sah er auf, drehte den Kopf so, dass er Taréy sehen konnte. So nah. Rakocz schluckte, lächelte vorsichtig. Dann öffnete er den Mund und bat leise: "Kannst du bitte.. noch eines spielen?" Vielleicht ja ein fröhlicheres, aufgeweckteres - doch auch mit einem, das in der Stimmung ähnlich dem war, das er hatte erfahren dürfen, wäre Rakocz vollkommen zufrieden.

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